¡Hola Jungs und Mädels!
Wochenende heißt bei mir immer noch mehr Zeit für Nichts. Heute war also Samstag und ich bin mal etwas früher aufgestanden, zumal wir auch Besuch von den Eltern meines Gastvaters hatten. Außerdem war heute noch Tag der offenen Tür im Colegio San Cristóbal.
So ging es also nach dem Frühstück in die Schule. Es ist ja schon toll, zu sehen, wie so die geistige Entwicklung zwischen den einzelnen Klassenstufen voranschreitet. Auch wenn solche Ausstellung immer etwas selbstverherrlichend wirken, zeigen sie doch auch schon ein Bild von der Arbeit der Kinder auf. Und häufig sogar wie ich schon selbst miterleben durfte, steckt sogar mehr Geduld und Anstrengung hinter den Arbeiten als man ihnen auf Anhieb ansieht bzw. zusprechen mag. Bei solchen Veranstaltungen herrscht ja meistens, wie auch heute, ein fast geschäftiges Treiben, denn man will natürlich nicht, dass sich die Eltern nur durch die Klassenräume schlengeln, sondern sorgt auch für das leibliche Wohl der Besucher. Und so vergingen dann die ersten Stunden des Tages zwischen spielenden Kindern, gesprächigen und staunenden Erwachsenen. Danach ging es zurück nach Hause, und während sich dann meine Gasteltern zum 80. Geburtstag einer Großtante aufmachten, blieben meine Gastgeschwister, eine andere Großtante und ich zu Haus. Wir aßen zu Mittag und ich zog mich danach in mein Zimmer zurück. Während ich nun zunächst überlegte, ob ich mit dem Fahrrad oder doch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu einer der zahlreichen Malls fahren sollte, verging die Zeit wieder wie im Flug. Wahrscheinlich wäre ich sogar auch alleine gefahren, doch wie ich so auf meinem Bett lag und die Gedanken über für und wider in meinem Kopf einen Boxkampf austrugen, schmerzten mir langsam die Schläfen und meine Lider wurden schwerer, so dass ich mich doch für ein Nickerchen entschied. Alle Gedanken ausblendend und entspannt schlief ich so bis kurz nach sieben. Dann kam meine Gastmutter nach Hause. Kaum aufgestanden, brach schon eine ganz ungesunde Hektik los, weil wir nun alle gemeinsam noch einmal zur Jubilarin fahren sollten. Natürlich wurde mir angekommen auf der Feier gleich wieder jemand zur Seite gestellt, der den Fremden im Fall des Falles übersetzen kann. Nun ja mittlerweile versuche ich darauf gelassen zu reagieren. Ein bisschen verschlafen, hielt ich, anscheinend vergebens nicht ganz so mürrisch zu wirken, etwas Smalltalk. Nach einer halben Stunde ging es dann auch schon wieder heim zum Abendbrot. Ich trank erstmal zwei Tassen Kaffee, um wenigstens halbwegs wach zu werden – ich glaube, ich habe noch nie soviel Instantkaffee getrunken wie hier, ich kann nur hoffen, dass mir danach guter Kaffe überhaupt noch schmeckt. Im Anschluss an mein wieder mal zu gutes Abendbrot bewässerte ich noch den Rasen. Schließlich brachten meine Gastmutter, mein Gastbruder und ich die Großtante, die auf die Kinder aufgepasst hatte, nach Hause.
Wie wir so durch die Nacht fuhren, fühlte ich mich ein bisschen an meine nächtlichen Touren aus Mexiko erinnert. Das Radio trellerte und die Lichter der an den Berghängen gelegenen Häuser fügten sich im geschwindten Vorbeifahren zu Linien zusammen. Das ist so eine Sache, die ich an Großstädten liebe, die Kulisse, die sich einem bei Tag und Nacht aufbaut. Auch wenn die nächtliche Ruhe und Schönheit des Lichterspiels nicht der Wirklichkeit entspricht, ist es doch beeindruckend und imposant.
Gleichzeitig wurde mir klar, was ich vermisse: das Vertraute, Menschen, mit den man abhängen und Spaß haben kann, egal ob es 2 Uhr am Mittag oder Abend ist. Sich frei und ungezwungen fühlen, die Fünkchen von Liebe und Zuneigung zur Stadt und ihren Leuten zu spüren. Es fehlt das Wohlgefühl, sich wirklich heimisch zu fühlen…
Morgen werde ich endlich klären müssen, wie es nun vorangehen kann, schließlich muss ich die Sprache lernen, um heimisch zu werden und mich bewegen zu können. Ansonsten steht morgen eine wiedergewonnene Liebe im Vordergrund und zwar die zu (m)einem Verein. Mag ich auch oportunistisch wirken in dieser Sache, ist doch der Fußball immer ein Teil von mir. Und da ist es mir egal, wie viel Titel, Historie oder Magie dahinter steckt, letztlich geht es mir dabei um den Fußball und solange der gespielt wird und nicht vom Geld überschattet wird, wie bei so vielen mittlerweile, bin ich dabei. Also ich bin bereit, wenn es morgen darum geht, den Fußball zu retten, bis dahin und bis zu meinem morgigen Bericht, wünsch ich euch einen schönen Sonntag, ¡Adíos!
A little bit of love
Oktober 27, 2007 von unpocitosvs