¡Hola gente!
Ich hatte ja bereits gestern darauf hingewiesen, dass Fußball heute ein Tagesinhalt sein werde, garniert mich reichlich Essen und Freizeit. Also dann mal los.
Meine innere Uhr weckte mich gegen kurz vor acht. Ich döste noch eine halbe Stunde vor mich hin, eh’ ich aufstand und mich frisch machte. Gegen halb zehn – chilenischer Zeit – stand das Topspiel in der Premier League Arsenal London gegen Manchester United auf dem Plan. Innerlich gespannt und physisch durch ein Frühstückt gestärkt, schaltete ich FOX Sports an. Meinen Gastvater habe ich mit der letzten Partie auch für den englischen Fußball begeistern können und so fieberte er neben mir mit. Allerdings musste er sich der Bitte seiner Frau ergeben, den Einkauf des Weihnachtsgeschenks für meinen Gastbruder dazwischen zu schieben. Nun gut, wenn man bedenkt, dass wohl ab Anfang nächster Woche das Wohnzimmer renoviert werden soll, ist gute Vorausplanung aller Ehren wert. Aber zurück zum Wesentlichen. Er musste also nach 30 Minuten die nur mäßig in Fahrt kommende Partie verlassen und mit meiner Gastmutter weg. Während meine Gastschwester ihr Frühstück einnahm, mich mit Fragen löcherte, die mir natürlich in diesem Moment total schnuppe waren, musste ich kurz vor der Pause einen Magen verstimmenden Tiefschlag hinnehmen, als sich Rooney, nach nicht ganz fair herausgespielter Vorlage auf der linken Seite, gegen Gallas durchsetzen konnte und das 0:1 markierte. Zwar hatte gleich im Anschluss Toure noch eine mittelmäßige Chance einen Freistoß zu versenken, doch er setzte ihn knapp neben das Tor. Danach war erst einmal Pause und ich versuchte meine Gedanken zu ordnen. Ich schwirrte in mein Zimmer, ordnete ein paar Sachen, suchte etwaige Statistiken zum Spiel und ging wieder zurück zu Fernseher. Mit der Aufregung im Körper setzte ich mich nach der obligatorischen Viertelstunde wieder an den Tisch. Und dann passierte es. Gleich mit dem ersten oder zweiten Angriff, das 1:1. Schöne Kombination im Mittelfeld, kurzer Pass in die rechte 16-Meter-Raum-Hälfte, Van der Sar blockt zunächst noch ab, aber dann die erneute Hereingabe von links und Fabregas steht mal wieder goldrichtig und egalisiert die Führung der Gäste nach knapp zwei gespielten Minuten in Halbzeit zwei. Im Anschluss dann zeigte Arsenal den Fußball, den man von ihnen kennt: Schnell und einfach in Richtung Strafraum, wo die ein oder andere Verunsicherung der gegnerischen Hintermannschaft einige gute Chancen zuließ, welche aber nicht genutzt wurden. Mit der Zeit entwickelte sich ein spannender Schlagabtausch, und immer wenn Arsenal im Angriff war, herrschte Gefahr in Manchesters Strafraum. Manchester hingegen beeindruckte mal wieder durch sein gutes Flankenspiel über seine schnellen Außenstürmer. Während es so schien, als ob keine der beiden Mannschaften seine Angriffsversuche in Tore umwandeln könnte, entwickelte sich die Partie zusehends zum Kick-and-Rush. Bis schließlich das leidliche Thema der Torwartfrage bei Arsenal um eine neue Episode reicher wurde. Almunia, der bereits zehn Minuten zuvor unmotiviert herausgerannt war, um gegen einen viel zu weit vom Tor entfernten gegnerischen Angreifer zu stören, ihm das Glück in dieser Szene aber in Form vom klärenden Toure noch hold war, startete also in der 81. Minute einen erneuten Versuch, einen zweifelhaften Beitrag zum Spiel zu leisten. Er rannte an der rechten Torauslinie entlang – nicht auf seine Verteidiger achtend – auf den heranstürmenden Saha zu, der abgezockt genug in die Mitte gab, wo C.Ronaldo nur noch den Fuß hinhalten musste, um sich danach wie ein Honigkuchenpferd zu freuen, als hätte er es ganz allein geschossen. Dieses Gegentor kam natürlich einem Knockout gleich. Versank ich geistig schon in alte Tristes, brannte der Arsenalfunken in meinem Innern noch, so dass ich mich auf Hoffen und Beten gegen den Niederlagengedanken wehrte. Die Nachspielzeit brach an und meine Hoffnung schwand schon ein wenig, als es dann doch noch geschah.
– Ein wunderbares Wunder! Aufopferung, Courage und Spielfreude. Es war einer dieser Momente, in denen man gerne Fußballfan ist, wenn das Bangen und Hoffen einen Sinn hat und die Erlösung eintritt. Wenn es einen Fußballgott gibt, dann war er heute mit uns (mir) ; … Klingt etwas blasphemisch, aber der Fußball hat schon eine gewisse Kraft. -
Ein langer Ball aus der Arsenalabwehr leitete einen Angriff ein, der ein heilloses Durcheinander im Unitedstrafraum auslöste, bei Clichy auf links landete, welcher im Rutschen zum am rechten Pfosten postieren Gallas hereingab, der den Ball über die Linie bugsierte. Kurz darauf war dann auch Schluss. Nur noch stehend, feierte ich innerlich den Sieg und strahlte.
In meinem Siegesdrang löste ich ein paar Sudokus auf der Hollywoodschaukel und freute mich über den glücklichen, wenn in meinen Augen auch verdienten Ausgang. Wenig später kamen dann meine Gasteltern nach Hause, ich berichtete meinem Gastvater ein bisschen und wir aßen zu Mittag. Ich machte mich beim Abwasch nützlich und überlegte, was ich mit dem restlichen Tag anstellen könnte. Ohne Geld ist es natürlich auch hier schwer Dinge aushalb der eigenen vier Wände zu veranstalten. So entschloss ich mich zu lesen und ein weitere Sudokus zu lösen. Leider reichte meine Internetbandbreite dann nicht für Updates und Bundesligalivekonferenz auf Inforadio aus, so dass ich mich dann auf die Updates beschränkte. Ich stellte also meinen Laptop in mein Zimmer und löste ein Sudoku. Währenddessen wurde es im Haus ein bisschen hektischer, da sich meine Gasteltern nun für ihre Hochzeitseinladung zurechtmachen mussten. Ich zog mich in mein Zimmer zurück und hörte mir ein paar Samples bei Amazon von Katie Melua und Norah Jones an. Ich half dann noch meinem Gastvater bei einem Hochzeitsgruß auf deutsch, da die zukünftige Ehefrau seines Teamkollegen Deutsche ist, und meiner Gastmutter bei der Suche der Adresse im Stadtplan. Gegen 17.30 Uhr verließen die beiden uns dann und ich blieb mit der Nanny und meinen Geschwistern zuhaus. Ich nahm mir Jan Weiler vor, setzte mich raus und las. Also für all diejenigen, die auf guten Humor stehen und nebenbei noch ein bisschen über Deutschland lernen wollen, kann ich „In meinem kleinen Land“ nur empfehlen. Als kleinen Anreiz hier mal ein Ausschnitt aus meinem heutigen Lese(Lach)programm:
(Er berichtet über die Symbole, die die Bahn an ihren Müllrondellen zum einfachen Verständnis der Mülltrennung angebracht hat.)
„Auf dem Bild für die Restmüllabteilung der Tonne sehe ich: eine Bananenschale. Eine Pommesgabel. Pommesschälchen. Zwei Feuerzeuge. Eine C-90-Audiokassette mit Bandsalat (das Bild ist wahrscheinlich schon sehr alt). Einen verbogenen Löffel. Einen Löffel? Wer schmeißt einen Löffel weg? Na, wer schon? Junkies natürlich. Wer Christiane F. gelesen hat, weiß, dass Junkies immer ihr Heroin mit Zitronensaft auf einem Löffel kochen, bevor sie es in die Blutbahn spritzen. Und was soll man mit dem Löffel machen? Natürlich in die Restmülltonne. Ich finde es toll, dass die Deutsche Bahn mit dieser Abbildung ihrem aufkeimenden Ruf als saubere Institution des deutschen Vekehrswesens so unaufdringlich und charmant entgegenwirkt.“
Ich las noch eine Stunde weiter und lachte mehr oder minder herzhaft über weitere humorvolle Anspielungen. Danach gab es Abendbrot für mich.
Mit der Bewässerung des Rasens ging dann mein Tag allmählich zu Ende. Ich überlegte zwar noch kurz einen Spaziergang zu machen, doch dazu lädt meine Umgebung bei Nacht nun wirklich nicht unbedingt ein. Irgendwie schon merkwürdig wie schnell die Straßen sich hier lehren. Beim Kartenspiel ging dann der Abend zu Ende und ich gewann ein paar Partien – Karioka.
Auch wenn ich natürlich das gewohnte Leben und die Orte in und um mein BERLIN vermisse, fühle ich mich doch sehr wohl hier und möchte möglichst viel erreichen und erfahren in meinem Jahr. Aber ich bin guter Hoffnung, ähnlich wie heute Früh
, dass mit der Sprache meine Initiative und mein Horizont wachsen werden. Bis dahin wünsche ich euch einen schönen Sonntag und bleibt gesund ¡Adíos!