¡Hola y besos!
Ein schöner und abwechslungereicher Tag geht für mich zu Ende und deshalb beschenke ich euch mit einem Beitrag. Nein, nicht nur deshalb, aber wenn man gute Stimmung hat, fällt es einem doch gleich viel leichter passende Worte zu finden.
Beginnen werde ich mit einer kleinen Repitition über den gestrigen Tag, denn gestern war ich noch nicht ganz „ohne (finanzielle) Sorge“. Wie am Dienstag bereits verkündet, stand am Mittwochnachmittag eine Exkursion zum Präsidentenpalast an, die ich liebend gern in Anspruch nahm. Nach einem mehr und weniger anstrengenden Schultag – zuhören und wiederholen, ist immer anstregend – trafen wir uns mit Fernando vor der Schule. Als wir alle komplett waren, ging es mit der Metro in Richtung Universidad de Chile. Dort, eine Station vor „La Moneda“, stiegen wir aus und befanden uns an der Calle „Nueva York“, in der, wie ich finde, passender Weise das kommerzielle Zentrum mit Börse und verschiedenen Handelskammern seinen Sitz hat. Dafür hatte es sich schon allemal gelohnt, mitzukommen, war ich doch zuvor noch nie hier gewesen. Nach einer kleinen Einführung in die Umgebung und deren Gebäude gingen wir die als Fußgängerzone ausgebaute Straße hinunter in Richtung Börse. In dieser begann der erste Teil der Exkursion. Fernando ermöglichte uns einen kleinen Einblick in das Gebäude und führte uns auf das „Parkett“ – also den Handelsraum mit Anzeigetafel. Wir sprachen ein wenig über die Wirtschaft Chiles und seine Stellung in der Weltgemeinschaft.
Im Anschluss durch die Fungängerzone zum Mittagessen. Es gab Empanadas in einem wohl, wie Fernando versicherte, stadtbekannten und beliebten Schnellrestaurant, das genauso hieß: „El Rápido“.
Nachdem dann alle sich gestärkt hatten, folgte die vermeintliche Hauptattraktion. Vermeintlich bedeutet dabei einerseits, dass ich das Gebäude schon zweimal besichtigt hatte bzw. andererseits, dass man eigentlich nicht ohne Voranmeldung das Gebäude besichtigen kann, sondern lediglich die zwei Innenhöfe. Am Plaza de Armas hielten wir kurz inne zu einer komprimierten Politik-/Geschichtsminute – mir nicht ganz unbekannt. Aber es blieb auch bei einem kurzen Überblick über Geschichte des Platzes seiner Gebäude und politischen Würdenträger, da die Sonne nur so vom Himmel brannte. Die für mich vorerst vorletzte Station an diesem Tag war dann die Besichtigung der bereits bekannten Innenhöfe. Außer ein paar Statuen und Orangenbäumen gibt es auch nicht viel zu sehen. Man sprach noch ein bisschen über die aktuelle Regierung ihr Programm und die mögliche Zukunft in Chile, bevor man die Höfe wieder verließ. Vor der Palastfreiheit stoppte die Gruppe erneut, um noch einmal ein bisschen in die politische Materie einzutauchen und über gegenwärtige und zukünftige Gesellschaftspolitik zu „philosophieren“. Der darauf folgenden Führung durch das im Souterrain gelegene Kulturzentrum entzog ich mich, um noch pünktlich nach Hause zu kommen, da mein Gastvater an diesem Nachmittag nach São Paulo flog, zu einem Kongress über anthroposophische Medizin.
Ich verabschiedete mich und sprintete zur Metro, obgleich ich ziemlich viel Zeit hatte. Pünktlich um Viertel vor Fünf kam ich in La Reina an. Aber wie so häufig war noch niemand fertig und es dauerte noch bis um halb Sechs bis alle zur Abfahrt bereit waren. Um zum Flughafen zu gelangen hat man anscheinend zwei Optionen – zumindest wenn man im Westen wohnt. Die eine ist die Stadt einmal auf dem „Ring“ zu umfahren oder sich durch die verkehrsreiche Stadt zu manövrieren. Fragt mich nicht, wieso. Am Flughafen versuchte ich dann Anzeichen dafür zu finden, dass er von meinen „amerikanischen Freunden“ kontrolliert wird, wie es an diesem Vormittag in meinem Kurs zu Sprache kam. Allerdings war das einzige, was ich entdecken konnte die „Cateringfirma“ oder wie auch immer der Fachterminus für Flugzeugessenlieferanten ist – wahrscheinlich fällt das unter Facilitymanagement.
Ansonsten war der Ausflug recht langweilig, da man auf diesem Airport darauf verzichtet hat, Aeromanen – so nenne ich das ‘mal – auf ihre Kosten kommen zu lassen. Kurz gesagt, man sieht nichts. Amüsantes Highlight war dann für mich nur der von meinem kleinen Gastbruder begangene und im Nachhinein bestimmte vermaledeite Diebstahl einer kleinen Sache von einem Souvenierstand. Was auch immer es war, war er doch so ehrlich und erzählte es seiner Mutter – vielleicht hat ihn auch seine Schwester wieder verpetzt, so genau hab’ ich das nicht mitbekommen
…
Zumindest stiefelte Pedro dann mit ihm zum Stand und er musste die Sache zurückgeben.
(*Btw.: Das ist tatsächlich manchmal ganz schön krass, wie sich meine Gastgeschwister gegenseitig verpetzen, nur damit der andere es nicht vermeintlich besser hat. Man soll mich eines besseren belehren, aber ich glaube so ging es bei mir nicht zu.)
Eine herzliche Umarmung zum Schluss und wir entließen Papá und Gastvater, zum bestimmt schon ersehnten Flug. Als ich dann auf dem Rückweg zum Auto fragte, ob wir vielleicht an einer „Scotiabank“ vorbeifahren könnten, stieß ich mal wieder auf eine Absage bzw. auf die Vertröstung, die ich zum Glück in meinem Leben aktuell nicht anbringe: „Morgen“. Ich konnte es ja irgendwo verstehen, den natürlich ist es anstrengend mit zwei kleinen Kindern, aber, dass das immer als Ausrede herhält, ist irgendwie bezeichnend. Einige arbeiten sich von morgens bis abends den A**** wund und andere beschäftigen sich in der gleichen Zeit mit nunja „Hausarbeit“. Also ich kann nur wieder meine Mamá vorschieben und sagen, dass sie es neben der Arbeit geschafft, drei Kinder großzuziehen und einen Haushalt weitest gehend zu schmeißen. Aber das ist eine Charakter- und Mentalitätsfrage, von der ich jetzt nicht in eine Gesellschaftsfrage übergehe
, denn es gibt schließlich nicht nur „schwarze Schafe“.
Die zweite witzige Sache war dann, dass sich die Mutter tatsächlich von dem Zwischenruf ihres unmündigen Sohns beeinflussen ließ und die falsche Ausfahrt nahmen und wir auf diese Weise eine kleine Stadtrundfahrt machten. Für mich nicht weiterschlimm, fahr ich doch gerne durch die Gegend, war es für sie doch merklich Stress pur. Aber ich versuchte die Stimmung mit ein bisschen Humor aufzulockern, was aber nichts daran ändern konnte, dass wir in den abendlichen Pendlerverkehr auf dem Weg nach Norden gerieten. Gefühlt brauchten wir nicht unbedingt länger, lediglich der stockende Vekehr und die angespannte Fahrweise meiner Gastmutter waren etwas nervendaufreibend. Schicksalhafter Weise kamen wir dann auch noch an einer Scotiabank vorbei, doch passend zu meinem Werdegang, war es lediglich ein Automat für Visa, also hieß es ein weiteres Mal warten. Ich ließ dem von der Sonne geschundenen Rasen noch etwas Wasser zukommen und machte mich in mein Zimmer – Hausaufgaben und Schlaf.
…
Heute stand dann in der Früh die Konsultation einer Bank an. Also machte ich mich gegen 8:30 auf nach Providencia. Eine Station vor meiner eigentlichen Endstation begab ich mich nach oben. An der Bankinformation fragte ich sicherheitshalber noch einmal nach der Funktion der Automaten, obgleich der nette Herr auch keine wirklich Auskunft geben konnte, was vielleicht auch an meiner unpräzisen Frage lag. Zumindest stand er gleich auf und begleitete mich zum Automaten. Und tatsächlich ich bekam Geld. ¡FELIZ!
Mit reichlich Zeit im Rücken – wie ich das gewohnt bin
– machte ich mich auf zur Schule, setzte mich noch kurz in den Park, aber gesellte mich schließlich zu anderen bereits vor mir angekommenden Schülern. Und so begann einer neuer Schultag. Bei Youri die nun bereits übliche anfängliche Diskussionsrunde, anschließend eine kleine Einführung in das nächste Nivel und dann Pause. In dieser unterhielt ich mich sehr nett mit einem Australier und holte mir meine noch nicht zu Ende korrigierte Hausaufgabe ab – wie war das mit der Arbeitsmoral in der Gesellschaft ?! Nein, die sind hier alle total nett, vielleicht zu nett.
Den zweiten Block hatten wir heute wieder bei Natalia – btw. einer sehr netten und umgänglichen Professorin
. Aber wir saßen nur kurz in der Runde zusammen, um danach dann gleich auf den nahe gelegenen Markt zu gehen. Bei einem sehr netten und humorvollen Händler, dem wir allerlei Fragen stellen durften, probierten wir viele verschiedene Früchte und lernten noch etwas. So spazierten wir eine Stunde über den kleinen Markt, kauften ein bisschen Obst und unterhielten uns auf Spanisch. Die Zeit schwand dahin und war wie im Flug vorbei. Ich schloss mich dann noch meinen Kurstmitgliedern an und wir gingen in ein nahe gelegenes Restaurant. Für ein bisschen weniger als vier Euro gab es dann ein Mittag mit Suppe, Hauptgang, Nachspeise und Getränk. Wir unterhielten uns über Chile und unsere Heimatländer und verabschiedeten uns im Anschluss bis zum nächsten Tag.
Meinen frühen Nachmittag verbrachte ich mit dem Hören von Musik und las die Nachrichten, in denen ich auch lesen musste, dass die letzten Tage einer Indentifikationfigur beim von mir gelesenen SPIEGEL angebrochen sind. Stefan Aust wird wohl in Zukunft nicht mehr für das Magazin des SPIEGEL – Verlags arbeiten. Sein bis zum Ende des kommenden Jahres geltender Vertrag wurde nicht verlängert. Ich möchte mich jetzt nicht dazu aufschwingen zu sagen, ich würde seine Handschrift im SPIEGEL erkennen, doch ist meine Meinung durchaus positiv und achtungsvoll gegenüber seiner Arbeit. Von im geführte Interviews habe ich immer gern gelesen und von ihm ausgearbeitete Reportagen waren stets nach meinem Geschmack. Seine journalistische Arbeit erschien mir objektiv und am Thema orientiert korrekt, keineswegs wie nun in einigen Artikeln berichtet von seiner Meinung dominiert. Ich kann nur hoffen, dass der von der Mitarbeiter KG geforderte neue Entwicklungsschub mit einem neuen Chefredakteur nicht in einem Disaster aller „Stern“ endet, oder wie auch immer die anderen Magazine auch heißen mögen, die versucht haben, ihr Konzept zu ändern. Ich glaube auf diese Weise, sollte man keinen so ehrenwerten Mann des deutschen Journalismus behandeln. Aber ich bin ja auch im Eklat um das „Nazometer“ einmal mehr anderer Meinung als die Mehrheit der Deutschen. Aber das sei nur am Rande bemerkt. Schließlich gehört freie Meinungsäußerung doch zu unseren Grundrechten, oder etwa nicht?
Während man in Deutschland immer mit zweierlei Maß misst, pikieren sich andere Länder über unsere Kleinlichkeit und äußern sich ungeschönt zu deutschen Tabuthemen. So funktioniert heute die Welt.
Am späteren Nachmittag funktionierte meine Welt dann, wie ich sie mir vorstelle „fast“ perfekt
. Wir kauften ein und ich konnte mir endlich von eigenem Geld Wasser und das vorerst Nötigste leisten. Glücklich versorgt kehrte ich zurück, aß Abendbrot mit meiner „Familie“, unterhielt mich und widmete mich dann euch, meinen werten Lesern. Ich bedanke mich hiermit für eure Treue und alle bisherigen Kommentare, setzt bitte keine Lesergemeinschaft zusammen und wählt mich ab
. Ich wünsche euch einen schönen Freitag und auf ein gutes Wochenende. ¡Adíos!
Bellavista, Bellevue, einfach Sanssouci
November 15, 2007 von unpocitosvs
Klugscheißermodus An: Gruner+Jahr veröffentlich den Stern, nicht den Spiegel! Der Spiegel erscheint im Spiegel Verlag.
Stefan Aus (Haha) war geldgeil und ist völlig zurecht gefeuert worden. Eine Klausel im Rundfunkstaatvertrag (oder wie der auch heißt) besagt, dass jeder private Sender so und so viele Minuten Sendezeit für Sendungen der öffentlich-rechtlichen reservieren muss. Stefan Aust hat sich mit Spiegel TV und allen dazugehörenden Subunternehmen (z.B. die Redaktion von News and Stories bei Sat1) das Monopol für diese Sendungen unter den Nagel gerissen.
Da die Redaktionen gebührenfinanziert sind und die Sendezeit 100% sicher ist, besteht kein Anlass sich weiter zu entwickeln und einem journalistischem Anspruch gerecht zu werden. Aust scheffelt also Kohle ohne sich wirklich dafür anstrengen zu müssen.
Und der Spiegel selbst… Naja über dessen Qualität lässt sich streiten.
Hier ein kleiner Link:
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/stefan-aus/
Klugscheißermodus Aus.
Aber ansonsten interessant. Gut gemacht-