¡Hola camaradas!
Schon wieder geht eine Woche und ein Wochenende zu Ende. Ich erinnere mich noch ganz genau, wie ich letzte Woche am selben Platz saß und über einem Artikel brütete, der mein Wochenendwerk darstellen sollte. Nun gut, ich habe mich wieder eingefunden, um euch einmal mehr Einblick in die Gedankenwelt meines “aufregenden” und zeitweise “abwechslungsreichen” Lebens zu geben.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich es im Eintrag vom Donnerstag erwähnt habe, doch stand am vergangenen Freitag ein Benefiz-Veranstaltung zugunsten einer Familie mit eingeschränkten finanziellen Mitteln und eines Jungen, der infolge eines Herzproblems momentan im Koma liegt, statt. Geladen hatte der Elternverein der Waldorfschule zum “festival de musica”. Nachdem ich am Freitagmorgen meinen letzten Tag in der Schule gehabt hatte und mich danach bei allen freundliche verabschiedete und bedankte, verbrachte ich den restlichen Tag mit meiner Gastmutter in der Schule, um den festlichen Abend vorzubereiten. Es mussten Tische und Stühle aufgestellt , Tischdekorationen präpariert und schwere Tasche mit allerlei Essen hin- und hergetragen werden. Erst gegen kurz vor sieben ging es dann noch einmal kurz zum Frischmachen nach Hause. In Windeseile Haare und Körper gewaschen, umgezogen und wieder los. Auf einem kleinem Zwischenstopp holten wir dann noch Instantfruchtsaft ab und als wir dann ankamen, glänzte alles schon in der Turnhalle. Und ab diesem Moment begann eigentlich ein Abend, den ich mir nicht ganz so vorgestellt hatte. Natürlich lag, dass zum einen an meiner eingeschränkten Logik, so dass ich an einen Abend gedacht hatte, bei dem man sich unterhält, aber die hungrigen Mägen und durstigen Kehlen der Besucher mussten bedient werden. Daher war nun mein Dekorationstalent gefragt und allerlei Platten , Spieße und Kuchen mussten auf kleine Teller verteilt werden. Also verteilte ich Käsewürfel und Mohrrübchen auf Holztafeln, fixierte Früchte auf Spießen und legte kleine Brownies auf Plastikteller. So ging das dann die ersten Stunden. Nebenbei wurde ich zum Abwaschen von Gläsern und Plastikbechern (!) in die Küche geschickt. Ja, richtig, was für ein Schwachsinn! Also entweder kauft man genügend Plastikbecher, oder wenn man tatsächlich umweltfreundlich sein will, sagt man doch gleich, dass die Becher wiederverwendbar sind, denn dann spart man auch das Abwaschwasser. Aber freundlich wie ich nun mal bin, tat ich das mir Aufgetragene und auch wenn ich die offensichtliche Fehlkalkulation anmerkte, wurde meine Idee nicht wirklich ernst genommen. So wusch ich fleißig ab und verpasste das meiste Bühnenprogramm, obgleich es mich auch nicht großartig interessierte. Zwischendurch fand ich auch immer noch ein bisschen Zeit zu naschen. Aber an alle, die jetzt den Finger gehoben haben, ich habe im Anschluss eine großzügige Spende dem Topf zukommen lassen.
Letztlich fand ich es aber doch irgendwie schon merkwürdig und ein bisschen verfehlt, dass man den Menschen immer etwas bieten muss, damit sie ein bisschen Geld für bedürftige Mitmenschen lockermachen. Wie ich aber schon so häufig feststellen musste, ist man sich, wenn es um das liebe Geld geht sich nie grün. Das fängt beim Staat an, der von Steuern Waffen kauft, anstatt in seinem Volk Bildung zu ermöglichen, lässt sich über die Kirche fortführen, die weiß ich was mit ihren Steuern anfängt, jedenfalls nicht in eine Initiative steckt, die die Religion den Menschen näher bringt und endet bei jedem Individuum selbst, dem seine eigene Existenz stets am Wichtigsten ist und das dafür über Leichen geht, um am Ende allein zu sterben. Wenn das, das Streben nach Glück ist, bezweifle ich, dass die Welt jemals in Einklang leben wird.
Gestern schlief ich über der ganzen Arbeit vom Vortag erst einmal bis neun, dann kam nämlich der Elektriker. War doch nachts zuvor, während die Nanny mit den Kindern zu Hause wachte, das Licht ausgefallen. Es hatte anscheinend einen so starken Kurzschluss gegeben, dass die Sicherung nun ausgetauscht werden musste. Also stieg ich dann aus dem Bett, als ich durch die Tür gefragt wurde, ob sie mal eben mein Zimmer inspizieren könnten. Danach entwickelte sich der Tag recht langsam. Vormittags wurschtelte der Elektriker Kabel auseinander und wieder zusammen, währenddessen frühstückte ich und las Zeitung. Als das Internet dann wieder funktionierte, informierte ich mich ein bisschen mehr über das wirklich wichtige in der Welt, denn hier bestehen die Weltnachrichten in der Zeitung zum Großteil aus Nachrichten aus Südamerika – eine große Welt ist das . Ich durchforstete also allerhand Internetnachrichten, chattete und schrieb Mails, bis dann auf einmal ganz plötzlich meine lieben Gastgeschwister ins Zimmer stürmten und mich belagerten. Sofort und auf der Stelle sollte ich natrülich mitkommen, denn wir sollten jetzt nach Limache fahren. Wer sich jetzt fragt, was Limache ist, der stellt sich diese Frage nicht ganz zu unrecht. Limache ist eine kleine Stadt ca. zwei Stunden nordwestlich von Santiago. Man fährt über allerlei Bergpässe im in Richtung Küste und kommt schließlich vielleicht daran vorbei. Ich war natürlich nicht ganz uninformiert über unseren kleinen Trip dorthin, doch so kam es mal wieder ganz ungeplant in den Tag hinein.
Wir fuhren also gegen halb Zwei zu Hause los nach Limache. Nachdem wir noch einen Zwischenstopp im Supermarkt gemacht hatten und die Nanny bei der Mutter meiner Gastmutter abgeliefert hatten, ging es dann los. Bis auf die Autofahrten war der Trip eigentlich ganz angenehm. Ich durfte nicht fahren. Ich sag nur Fernlicht auf der Autobahn? Oder im dritten Gang der Berg hinab? Mit 50 km/h in Kurve und dann die andere Spur schneiden? Nun ja, aber da sie mir wenigstens für meine Art, wie ich meine Ratschläge geäußert habe, dankbar war, bin ich mal ganz leise. Der Geburtstag war dagegen um einige Spannung ärmer. Ich unterhielt mich ein bisschen mit dem Gastgeber und einem Vater aus dem Colegio, der auch zu Besuch war, und blätterte ein bisschen in den Architekturbüchern. Es wurde auch für das Wohlbefinden gesorgt mit Empanadas und Salat, sowie Kaffee, Kuchen und frischen Erdbeeren. Allerdings genoss ich das Essen eher drinnen, da die Sonne in der Mittagszeit doch ziemlich stark vom Himmel brannte. Ich habe mir nämlich noch keine Sonnencreme besorgt und nachdem ich nun gelesen habe, dass zwar für alle Hautkrebsvorsorge nun von der Kasse übernommen wird, will ich aber doch nichts riskieren. Da bleib ich lieber erst einmal schwach gebräunt.
Heute, dem heiligen Sonntag, wurde ich dann wieder einmal von meinen netten Gastgeschwistern geweckt bzw. von deren “herrlichem” Singsang, der [in diesem Moment] eher den Glocken Posaunen von Jericho ähnelte. Darauf folgten Frühstück und das Lesen der Zeitung. Danach machte ich mich ein bisschen nützlich beim Wäsche waschen. Letztlich landete ich dann wieder vor dem PC chattete und das übliche Prozedere. Und auf der Suche nach meiner kreativen Ader versuchte ich ein bisschen den Sinn für alles zu finden. Es macht Spaß im Moment und ich hoffe, dass es auch in Zukunft vielleicht noch mehr Spaß machen wird. Wenn dann schließlich alles zueinander findet, wird das schon werden. Also bleib ich weiter immer ehrlich und freundlich, und wünsche euch einen schönen Wochenanfang und alles Gute. ¡Adíos!
Auf der Suche nach Kreativität und Sinn
November 18, 2007 von unpocitosvs