Aloa he ! ¡Hola chicas y chicos!
Mir geht’s nicht gut, irgendetwas mit dem Hals, scheint nicht ganz so schnell wegzugehen, aber das ist auch schwer, wenn zwei kleine Kinder ständig unverhohlen durch die Gegend husten und man nichts dagegen tun kann und von anderer Seite auch nichts unternommen wird.
Aber nicht nur physisch, sondern auch psychisch gelange ich gerade an meine Grenzen. Alles dreht sich. Mein Spanisch durchlebt einen Entwicklungsstop, weil ich mich nicht dazu durchringen kann zu pauken. Meine Arbeit in meinem Projekt stellt mich nicht wirklich zufrieden, denn jeden Tag komme und gehe ich, wobei ich mich stets frage, was ich heute Soziales geleistet habe. Ich bin überflüssig eine Arbeitskraft, die in jedem ökonomisch arbeitenden Betrieb heutzutage wegrationalisiert werden würde. Ein ähnliches Bild zeichnet sich in meiner Familie ab. Ich lebe ein Schattendasein im Hintergrund der Familie. Meine Tätigkeit wird zwar gerne in Anspruch genommen, aber wirklich Respekt und Vertrauen strahlt mir nicht entgegen, stattdessen wird lieber eine andere Meinung eingeholt, anstatt einem gut gemeintem Rat meinerseits oder meinem Wissen zu trauen. Aber mal abgesehen von dieser Degradierung, bleibt stets auch keine Zeit für mich, also ich habe Zeit, aber keiner hat Zeit für meine Interessen, was ich doch als sehr schade empfinde und ich mich frage, welch wahnwitziger Gedanke Ihnen bei der Entscheidung, meine Wenigkeit aufzunehmen, aufgesessen war.
Und für alle, die immer noch denken, das Militär wäre härter, denen kann ich nur erwidern, das eine Umstellung, wie ich sie hier erlebe, einer 180°-Wende entspricht. Wenn ich nicht den Kontakt halten könnte mit meinen Kollegen, säße ich, so scheint es mir zumindest gerade, schon längst wieder zu Hause. Es kann alle gespielte Herzlichkeit nicht darüber hinwegtäuschen, das man hier in einer kleinen und schlechten Ausgabe der USA festsitzt. Tatsächlich leben die Menschen, wie mein Spanischlehrer Yuri anmerkte, in einer Art amerikanisierten Vakuum. Nichts dringt von außen herein und auch nicht viel heraus, oder könnte mir einer mehr als zehn Sätze zu Chile sagen. Nicht zu wissen, wem oder was man vertrauen kann ist die eine Seite, die andere Seite ist sich davor zu verschließen.
Natürlich muss ich auch eingestehen, dass es auch in Deutschland Ansätze von “Volksverdummung” gibt - man braucht sich nur das heutige Fernsehprogramm einmal anzusehen. Aber wenigstens wird dagegen etwas getan und die Bevölkerung entwickelt ihren Geisteshorizont nicht ganz autonom. Aber wahrscheinlich könnte ich über diesen Missstand auch noch hinwegsehen, wenn ich mir irgendwie die Zeit vertreiben könnte. Doch leider entspricht meine Aktivität einer Schnecke bei Sonnenschein.
Und so fehlt mir mein ruhiges und beschauliches Berlin, mit seinen Ecken und Kanten. Im Moment finde ich einfach noch keinen Zugang zu dieser Stadt. Santiago wirkt wie ein einziges zusammengewürfeltes Häusermeer begrenzt von Bergen und abgekanzelt von einer Smogglocke. Dieser Eindruck entsteht vielleicht auch deswegen, weil man mit ca. 8.400 Menschen auf einem Quadratkilometer hier dicht an dicht zusammenlebt. Ein bisschen mehr Freiheit würde ich mir wünschen, doch gleichzeitig auch die Nähe zu Menschen, die mich wirklich verstehen.
Mit einem sehnsuchtsvollen Gruß und meiner Hochachtung an alle, ¡adíos!
Junge, Junge. Mach was gegen diesen Missstand. Du sitzt da noch einige Zeit fest, wenn sich etwas ändern soll dann muss dass von dir ausgehen. Gib dir einen Ruck! überwinde dich! Das kann man ja nicht mit ansehen wie du Schritt für Schritt in eine Depression rutscht.
Hmm mann, das ist aus der Ferne leider alles schwer zu beurteilen. Ich hab ja keine Ahnung, wie die Leute so generell da sind, aber ich kenn Dich ja, Du bist jetzt nicht der Max, der alle anlabert, die nich bei 3 auf den Bäumen sind … was auch gut so ist ^^
Also auf jeden Fall musst Du halt versuchen - wenn in Deiner Gastfamile schon alle so ignorant sind -, mal irgendwie Leute außerhalb kennenzulernen, mit denen Du was unternehmen kannst, damit Du nen guten Ausgleich zu “Familie” und Schule hast … ok, natürlich wieder leichter gesagt als getan.
Schwierig, schwierg, schwierig