¡Oiga!
Über eine Woche habe ich mich jetzt nicht zu Wort gemeldet, was aber nicht bedeutet, dass ihr mir weniger wichtig geworden seid. Es war einfach bescheiden wenig Zeit – ausnahmsweise – in der letzten Woche. Ich war fast jeden Tag länger in der Schule und habe in der Schreinerei gearbeitet, weshalb ich meistens erst gegen acht zu Hause war. Dazu wurde ich am Mittwoch auch noch von Juanito und seiner Frau Paula zum Abendbrot eingeladen, was ich nicht undankbar annahm. So war ich an diesem Abend erst gegen kurz vor Zehn daheim. Im Moment ist einfach eine Menge zu tun, da sich das Schuljahr hier dem Ende zuneigt, und in der Waldorfschule allerlei Aufführungen anstehen. Zudem werden Abschlussarbeiten – künstlerischer Art – angefertigt, die viel Zeit in Anspruch nehmen.
Ich habe mich in der letzten Woche intensiv um die Holzboote für die Kinder aus dem Kindergarten gekümmert, die nächstes Jahr in die erste Klasse kommen. Und das schneiden und aushobeln von 24 kleinen Booten ist anstrengender als vielleicht so mancher sich denken mag. Also war es auch regelmäßig nötig am Nachmittag in der Schreinerei die Arbeit vom Vormittag fortzusetzen, denn schließlich warten auch andere Lehrerinnen mit so mancher „spannenden“ Aufgabe auf. So kam es auch vor, dass ich den Vormittag damit verbrachte, sieben Paar Flügel aus Pappe aufzuzeichnen und auszuschneiden. Dann kommt es dazu, dass sie zu groß sind und man wieder einen halben Vormittag daran sitzt, diese zu kürzen. Natürlich müssen sie auch noch mit Farbe besprüht werden, was keinen unerheblichen Zeitaufwand bedeutet und außerdem tierisch auf die Lungen geht. Ich frage mich echt wie diese Sprayer das aushalten, aber wahrscheinlich gewöhnt man sich daran, wie die Müllmänner an den Müll… ![]()
Aber die Nachmittage waren sehr nett und ich habe Juanito und seine Frau sehr ins Herz geschlossen. Sie sind einige der Menschen, denen man vertrauen kann, und die auch selbst ehrlich zu einem sind. Vielleicht liegt das es daran, dass sie Peruaner sind, aber vielleicht ist es auch, weil sie es nicht anders gewohnt sind, was ja das erste nicht ausschließt. Wir hatten sehr nette Unterhaltungen und ich konnte offen meine Meinung zur Schule und meinem Leben sagen.
Letztlich trifft man oft auf Gemeinsamkeiten. Nicht zuletzt werden, gibt es in Chile ein nationalistisches Problem, was sich in einer unterdrückten, aber offensichtlichen Abneigung gegenüber den Nachbarn ausdrückt. Einerseits denken wirklich viele, sie wären die allerbesten und tollsten, was sich häufig mit abfälligen Bemerkungen über andere Südamerikaner zum Ausdruck gebracht wird, andererseits gibt es gegenüber Schwarzen, sowie den den einheimischen indigenen Nachfahren, einen für europäische Verhältnisse einschlägigen Rassismus.
Von offenen Grenzen kann man hier nur Träumen. Trotzdem oder gerade deswegen findet eine starke Zuwanderungen in wirtschaftlich stärkeren Staaten statt. Doch wie es so oft ist, werden die für einen Hungerlohn arbeitenden Ausländer nicht mit dem roten Teppich empfangen. Ich habe zwar keine Ahnung, aber ich würde einfach mal sagen, dass sich in Chile ein ähnliches Bild bietet, wie in den USA, wo die Industrie und viele weitere Nebensektoren schließlich zu einem Großteil von Einwanderern aus Mittelamerika getragen wird. Der Grund dafür ist wieder daran zu sehen, dass viele Chilenen ein verkehrtes Weltbild haben, von der großen Industrienation am Ende der Welt. Letztlich funktioniert der Staat aber nur durch Investitionen aus dem Ausland und der ökonomische Erfolg wird außerhalb Chiles abgegriffen.
Wahrscheinlich sind die Peruaner auch gerade aus diesen Gründen nicht wirklich gerne gesehene Arbeiter, was schade ist, denn, wie ich glaube, trägt gerade der interkulturelle Austausch zur Völkerverständigung bei. Letztlich ist es aber ein ähnliches Problem, wie in Deutschland: Es gibt viele, die sich um Integration bemühen, wenige schaffen es und von der Gesellschaft werden immer nur die Negativbeispiele registriert.
Durch den ganzen Rummel bin ich dann auch nicht dazu gekommen meine Reiseplanungen voranzutreiben, was ich aber unbedingt in den nächsten Tagen in Angriff nehmen muss, damit mir nicht die Zeit dahinschwindet. Aber dazu werde ich mich an passender Stelle noch einmal äußern.
Denn die Woche war zwar vollgestopft mit Arbeit, doch gab es zum Ende hin einige Höhepunkte: Zum einen kam ich am Donnerstag etwas früher nach Hause, da ich eigentlich einen Kuchen backen wollte für meine Gastmutter, die haben nächsten Tag Geburtstag hatte. Nachdem ich auf der Rücktour von der Schule noch beim „hiper Lider“ (Supermarkt der Kategorie „real“), sagte mir meine Gastmutter, dass ein Paket für mich angekommen sei. Hatte ich noch gar nicht so früh damit gerechnet, rührte mich der Inhalt doch sehr. Hatte mir doch meine Mama einen Adventskalender selbst gebastelt, so hatte die zweimonatige Abstinenz von guten Naschereien ein Ende. Endlich Schokolade, die auch danach schmeckt. Diese Zuneigung und der Gedanke, dass auch Menschen weit entfernt an einen denken und sich sorgen, bewegte mich doch sehr. Die mitgeschickten Adventskalender für die Kinder, legte ich gleich mit einem Gruß vom Nikolaus auf die Betten. Und als diese vom Broteinkauf wiederkamen, war die Freude, aber auch das Erstaunen riesengroß, war doch sowohl der Nikolaus als auch ein Adventskalender mit Schokolade unbekannt. So erklärte ich erst wie man hinter das Geheimnis des Kalenders kommt und dann wer der Nikolaus ist, und was es sich mit ihm auf sich hat. Zu putzig, aber ich bin eben der „Erklärbör“… ne wa ![]()
Leider kam ich dann nicht mehr dazu meinen Kuchen zu backen, was ich eigentlich mit Paloma (Tochter einer Freundin) zusammen machen wollte, doch fand sich weder in meinem Haushalt noch in ihrem eine passende Form, so dass ich warten musste. Peinlicher Weise musste ich dann am Geburtstagsmorgen erst einmal ohne Geschenke meine Glückwünsche überbringen. Es ging in die Schule und ich erledigte bis zum Nachmittag meine Arbeiten und zum Glück hatte Paula (Frau von Juanito), sowohl eine Form als auch die benötigten drei Eier für meinen Kuchen. Ein Glück hatten die Kinder der Schule an diesem Tag auch wieder Blumen verkauft, so dass ich noch ein kleines Nebenpräsent erstehen konnte. Dank einer amerikanisches Backmischung ging auch alles tadellos von der Hand. Später dekorierte ich ihn dann noch mit Schokoladenguss und Silberperlen aus Maisstärke. Percy der Bruder von Paula half mir dann noch beim Einpacken der Blumen in dunkelrosa Krepp und band fast professionell eine Schleife aus gelbem Paketband. Mit einem großen Dankeschön an alle Helfer machte ich mich auf den Heimweg, was mit dem Fahrrad gar nicht so einfach war. Zu Haus schmückte ich ihn dann noch mit den Kerzen und entzündete diese. Während meine Gastmutter noch aufgeregt mit den Handwerkern zu Gange war, schlich ich mich ins Wohnzimmer und sang „Happy Birthday“ – leider beherrsche ich das noch nicht auf Spanisch. Halb zu Tränen gerührt, gab es eine Umarmung und Dankeswünsche, was mich doch sehr freute.
Der Geburtstag war dann ebenfalls sehr nett arrangiert und diejenigen, die gekommen waren, hatten ihren Spaß. Ein bisschen entspannter durch drei „Pisco Sour“ (so Traubenhochprozentiger) unterhielt ich mich nett mit der einen Schwester von meiner Gastmutter die extra aus Concepción gekommen war. Aber auch mit den anderen Gästen, wie mit Pedros Bruder und seiner Frau unterhielt ich mich lange. Später wurde dann noch zu verschiedenen Achtzigern getanzt, und auch ich musste mich einmal mehr peinlich machen. So aß, tanzte und unterhielt man sich bis kurz vor zwei als dann der Großteil der Gäste aufbrach. Als dann gegen halb drei die letzten verschwunden waren, half ich noch unserer Nanny Jacqueline beim aufräumen und machte mich dann ebenfalls ins Bett.
Samstag ging es dann mit der Familie von Paloma auf einen Ausflug. Gemeinsam fuhren wir zu der Parzelle des Vaters von Paloma. Ein sehr nettes und geräumiges Haus etwas außerhalb von Santiago Stadt gelegen. Umgeben von einer Bergkette, die einen an so manche Naturbilder erinnerte. Zusammen mit Freunden des Vaters nahm man dann ein typisch chilenisches „Asado“ zu sich. Für alle fröstelden Europäer und meine lieben Kollegen, es handelt sich dabei, wie der ein oder andere vielleicht schon sich denken wird um nichts anderes, als ein leckeres Grillen, und zwar nicht zu klein. Wenn doch auch in Deutschland das Fleisch so preiswert wäre … ![]()
Aber nicht nur das leckere Essen, sondern auch Sonne und Pool bereicherten den Tag um einiges. Natürlich übte ich auch fleißig Konversation mit den Freunden. Die Spätmittagssonne nutzte ich dann für eine herrliche Siesta, welche durch einen angenehm kühlen Wind noch in der Qualität gesteigert wurde. Leider ging auch dieser Tag zu Ende und man räumte alles zusammen. Zum Schluss, als die Freunde aufgebrochen waren, fand ich sogar ein bisschen Zeit mich mit Paloma zu unterhalten. Gegen elf kamen wir dann in Santiago wieder an, aber ich entschloss mich noch für meine neue Leidenschaft „Heroes“, eine Weile mitzukommen. So saßen Paloma und ich noch bis um kurz vor drei vor dem Fernseher und sahen uns die ersten vier Folgen der Serie an. Der arme Vater schlief schon Mitte der zweiten Folge wieder ein. So brachte mich Paloma dann mit dem Auto nach Hause. Ich saß dann noch ein bisschen vor dem PC, dachte nach und hatte auch eigentlich die Intention zu schreiben, was ich mir dann aber doch ersparte.
Sonntag weckte mich dann gegen kurz nach Neun meine Mutter um zu fragen, ob ich da sei. Ich döste noch bis kurz nach halb Elf und sprintete dann in die Küche, doch leider hatte ich schon die ersten Minuten der Arsenalpartie verpasst und konnte nur noch mit ansehen, wie Middlesborough einen Elfmeter versenkte. Mit Fassung trug ich es dann, dass die erste Niederlage nach einer schwachen Partie durch einen weiteren Abwehrfehler besiegelt wurde. Aber immerhin bleibt noch ein Punkt Vorsprung auf die Verlierer aus Manchester, deren Geld schrecklicher Weise wieder Qualität bewiesen hat.
Ansonsten war der Sonntag aber sehr nett, denn ich verbrachte ihn mit meiner Familie im „Club de Medicos“, in dem ich mich im Schwimmbad und zusammen mit Pedro und Miguel Angel auf dem Fußball austoben konnte. Nachdem ich ja fast das ganze Wochenende durchgegessen hatte, war das genau das Richtige. Es machte viel Spaß und vielleicht gehen wir jetzt öfter dorthin.
Die neue Woche begann mit einem Kindergartentag und ging danach sehr schnell herum, wie so manche Tage hier. Die Zeit ist dazu da, die Menschen zu beschränken. Ich hoffe aber, dass ihr Zeit findet euch meinen neusten Beitrag zu Gemüte zu führen und, dass er euch gefällt. Ich wünsche euch allen weiterhin eine fröhliche und beschauliche Adventszeit. Fühlt euch umarmt, euer Baschtel…
…to be continued…
Sterne über Santiago, wie die Zeit vergeht
Dezember 10, 2007 von unpocitosvs
wie rührend… Kuchen für die Mama und Nikolaus für die Kinder.
Scheint ja alles besser zu werden. Super Text.