Lang, lang ist es her, dass ich euch mit einem Beitrag erfreut habe. Und leider war ich über die Festtage auch nicht mit Internet gesegnet, so dass meine Wünsche nur noch ins Leere treffen. Trotzdem hoffe ich, dass ihr alle eine Frohe Weihnacht gehabt habt und euch nun auf den Jahreswechsel freut.
- ¡¡¡ FELIZ NAVIDAD, PROSPERO AÑO Y FELICIDAD !!!
Für mich war die letzte Woche in der Schule mehr als anstrengend und hat mich ganze fünfzehn Stunden schlafen lassen, was aber eher an meiner geschickten Planung lag als an der Arbeitsmenge.
Ich habe eigentlich die ganze Woche – exzeptionell Montag – von morgens um acht bis abends um acht durchgearbeitet. Für den Montag hatte ich feste Pläne. Ich blieb also nur bis fünf in der Schule und wurde dann netter Weise von meiner Gastmami abgeholt. Was ich nämlich in meinem dichterischen Werk nicht verarbeiten konnte war die Tatsache, dass mir am Samstagnachmittag auf dem Weg zur Schule bei meinem persönlichen Alpe d’Huez- Anstieg ein Dorn den Reifen durchstach und ich leider keinen Reparaturwagen bei mir hatte, so dass ich den Rest das Fahrrad schieben musste. Zudem hatte sowie so das von den Handwerkern ramponierte Pedal seinen Dienst quittiert, so dass ich eh nur noch langsam vorangekommen wäre. Womit hatte ich das bei meinem Einsatz verdient?! ![]()
Durchnässt war ich letztlich heil angekommen und arbeitete bis abends. Montagmittag ging es nun mitsamt Fahrrad auf der Ladefläche nach Hause. Zunächst fuhren wir noch das Rad bei der Werkstadt vorbei, wo ich aber nur neue Pedale bekam, da die Reparatur des Reifens bis ins neue Jahr hätte dauern sollen. So montierte er nur schnell die Pedale und wir gingen in der Zwischenzeit in einem Nachbarladen Keksformen kaufen, denn meine zweite Intention, die ich für diesen Tag geplant hatte und wofür ich schon am Sonntag die nötigen Zutaten besorgt hatte, war Kekse zu backen. Leider hatten wir haben keine Formen, so dass wir erst welche kaufen mussten. Zuhause angekommen, führte ich erst einmal ein Heimattelefonat – meine dritte geplante Aktivität. Um acht setzte ich mich dann mit den Kiddies zusammen – angemerkt sei wohl, dass wir uns vorher noch eine Waage bei Nachbarn leihen mussten
– und wir gaben Mehl zu Eiern, Magarine, Zucker und ein bisschen Vanilleextrakt. Als dann der kleine Mixer mit der dreifachen Teigmenge nicht mehr so ganz weiterkam, musste meine Knetkunst herhalten und da merkt man, dass die Bäcker wirklich nicht nur durchs Naschen starke Arme haben.
Gegen halb zehn konnten wir dann die ersten Kekse stechen, aber natürlich mussten, die Kinder dann auch in die Heia. Was dem Tempo und der Sorgfalt zwar zuträglich war, aber irgendwie schon wieder langweilig. Ich saß, dann noch bis halb drei bis das letzte Blech fertig gebacken war. Zwischenzeitlich hatten meine Gasteltern schon reichlich genascht, was mich einerseits freute, da es ihnen scheinbar gut schmeckte, aber andererseits aber auch ein bisschen traurig machte, da außer der Äußerung, dass sie lecker schmecken, nichts weiter an Dank kam.
Entsprechend müde stand ich dann am Dienstagmorgen auf und der Tag ging seinen geregelten Gang. Zu Fuß trat ich dann den Rückweg an. Den Berg hinunter begleitete mich noch Jesus, einer der Peruaner, und wir unterhielten uns ein bisschen, leider redet er ein bisschen zu schnell für mich, so dass ich mir den Großteil immer erschließen muss.
Danach ging ich es gemütlich an und machte noch den Schlenker über den Supermarkt, wo ich noch für die zweite Runde Kekse, die ich als Weihnachtsgeschenke backen wollte, Zutaten einkaufte. Zudem stand am Mittwoch auch noch das Julklapp der fünften Klasse an, zu dem mich meine Tutorin, Klassenlehrerin in dieser Stufe, eingeplant und was ich natürlich ganz vergessen hatte. Also schlau und engagiert wir ich nun mal bin hatte ich geplant, ein paar selbstgebastelte Weihnachtssterne zu schenken. Frei nach dem Motto: Selbst gemacht, besser als selbst gekauft.
Natürlich muss ich zu meiner Schande gestehen, dass diese Idee nicht meine erste war, aber einfach nichts Passendes zu finden war. So kaufte ich noch zusätzlich ein bisschen Einschlagpapier mit einem rotweißen Blumenmuster.
Etwas erstaunt musste ich dann bei meiner Ankunft feststellen, dass der große Weihnachtsteller, auf dem ich nachts zuvor mindestens 40 Kekse deponiert hatte, nur noch gähnende Leere enthielt. Mit dem Gedanken an die Freude des Verspeisen unterdrückte ich ein wenig den Zorn auf die Maßlosigkeit, die sich mir bot. Aber letztlich kannte ich es von zuhause auch nicht anders. Ich aß eine Kleinigkeit und machte mich dann daran im Internet nach Bastelanleitungen zu suchen. Ich fand auch einiges an anschaulichem Material, was ich so gleich in die Tat umsetze und ein paar Sterne bastelte. Als ich dann Gegen eins nach vielleicht 2 1/2 Stunden drei Sterne fertig hatte. Zog ich mich mit den Materialien in mein Zimmer zurück und faltete, klebte und band noch bis kurz nach drei Sterne zusammen. Fünf Sterne hatte ich bis dahin gefertigt. So viel zum Bastelprofi.
Den Tag überlebte ich wahrscheinlich nur, weil es lecker Kuchen und Sandwiches in der fünften Klasse gab, bei denen ich Dank der Einladung natürlich auch zugreifen durfte. Obgleich ich anfangs ein bisschen Zweifel hatte freute sich das Mädel, dem ich neben den Sternen noch ein paar Kekse in die „selbst gekaufte“ Geschenktüte gepackt hatte, über meine Arbeit, so dass ich zufrieden, auch über mein Geschenk, eine kleine Blechkanne mit Schokoladenpralinen als Inhalt, das Klassenzimmer danach verließ.
Ich arbeitete noch bis kurz vor acht und machte mich dann auf den Heimweg. Glücklicherweise fuhr gerade der Bus um die Ecke, so dass ich wie im Reflex die Hand hob und er kurz darauf zum Stehen kam – ich liebe Südamerika
… Mit mir als einzigem Fahrgast setzte sich dann der Bus in Bewegung. Nach ein paar Minuten überwand ich mich dann und fragte nach der Umsteigemöglichkeit und nett wie nun einmal die Südamerikaner sind – oder vielleicht auch nur dieser Busfahrer ist – erklärte er mir den Weg und man unterhielt sich ein bisschen, da ich mich mal wieder als Fremder verraten hatte, was aber der Konversation keinen Abbruch gab. Ich verabschiedete mich freundlich nach einer viertel Stunde und stieg dann faul wie ich bin noch in einen anderen Bus, der mich fast vor die Haustür brachte, obgleich ich auch hätte laufen können.
So brauchte ich aber nur zwanzig Minuten nach Hause anstatt knapp einer Dreiviertelstunde zu Fuß.
Am Mittwochabend machte ich dann zwei Aussagen, die ich mir hätte besser verkneifen sollen. Zu einen sicherte ich zu, dass ich am nächsten Tag zur Aufführung meines Gastbruders kommen würde und zum anderen erzählte ich von meiner guten Heimfahrt. Beides wurde wohl etwas zu ernst genommen und von meiner Seite zu lax dahingesagt.
Zwar deutete es sich in den Worten schon an, dass am nächsten morgen keine „Sau“ – keine Beleidigung nur kleiner Frustausdruck – aufstehen würde, doch glaubte ich bis zur letzten Minute, das man nicht so „faul“ sein könnte und mich alleine lassen würde.
Der Donnerstagmorgen sollte mir das Gegenteil beweisen. Ich war auf mich allein gestellt, machte mir mein Frühstück, verpackte noch schnell ein paar Kekse für Jesus und seine Frau als Weihnachtspräsent und brach dann völlig verspätet zur Schule auf. Als ich dann um fünf vor acht an der Bushaltestelle wartete und die Minuten vergingen, wurde mir nicht nur von der Sonne heiß, sondern auch der innere Vulkan begann zu brodeln. Als ich dann nach fünfzehn Minuten des vergeblichen Wartens zu Fuß aufbrach, hätte mir besser keiner krumm kommen sollen. Aufgeladen stampfte ich der hinter den Bergen aufgehenden Sonne entgegen es wurde halb Neun, viertel vor Neun und Neun. Kurz nach neun klingelte ich dann am Tor der Schule und die Sekretärin gewehrte mir Einlass. Mit einigen wilden Gedanken, die ich aber am Tor abstreifte, begann also dieser ereignisreiche Tag. Zwar arbeitete ich wie immer fast den ganzen Tag in der Schreinerei, doch als sich der Tag dem Ende neigte und die Eltern schon zur Aufführung der Klasse meines Gastbruders das Schulgelände bevölkerten und ich immer noch an der Arbeit saß, kam ich in einen ungemütlichen Zwiespalt. Am Schwert für meine Gastvater weiterarbeiten oder zur Aufführung gehen…
Letztlich hätte ich es besser wissen müssen, schließlich habe ich schon genug Filme über „Familiendramen“ gesehen, in den „Familienmitglieder“ keine Zeit fanden zu einer Aufführung, etc. zu erscheinen und einfach nicht die Relevanz für den anderen Protagonisten (meistens Kinder) wahrnahmen.
Auch wenn mir dieser Gedanke kam, war es so, dass das Gefühl überwog, dass ich nicht so wichtig sein könnte, dass die Aufführung nicht auch ohne mich hätte stattfinden können.
hätte, wäre, würde, könnte… das half mir dann auch nichts mehr – zumal ich das im Spanischen auch gar nicht ausdrücken kann
! Ich konnte nicht anders und war einfach still, zum einen vor Scham, zum anderen als Selbstschutz, um nichts Unüberlegtes zu sagen.
Zunächst war auch kein Kommentar dazu zu hören. Als ich jedoch am Abend mich daran machte die Kekse für die Schule zu backen, wurde ich zur Erklärung gebeten, doch mehr als das ich nicht wirklich den Grund dahinter verstand, schließlich waren sie am Morgen auf Abstand gegangen und nicht ich – gut, Miguel Angel musste nicht zur Schule an diesem Tag, aber wenn man eine Familie sein will, dann kümmert man sich auch um diejenigen, die dazugehören. Und schließlich hätte ich in dieser Woche allen Grund gehabt müde zu sein, und quälte mich doch jeden Tag aus dem Bett. Ich nahm also die ahnungslose Verteidigerrolle ein und versuchte mich zu rechtfertigen, aber entschuldigte mich erst einmal nicht, sah darin auch keinen Grund, schließlich hatte höchstens Miguel Angel einen Grund sauer zu sein, der aber keinen Mucks von sich gegeben hatte.
Ohne Konsens schlossen wir dann dieses Kapitel erst einmal und ich buk noch bis drei die Kekse zu Ende und bekam mich dann übermüdet und mit zahlreichen schwerwiegenden Gedanken ins Bett.
Zu meinem Glück oder Pech hatte, wie sich Nachhinein herausstellte meine kleine Gastschwester am Nachmittag meinen Wecker verstellt, so dass er am Morgen nicht klingelte und ich dann netter Weise von meiner Gastmutter – Revanche?! – erst um zehn nach Sieben geweckt wurde, als ich noch stolze 20 Minuten Zeit hatte. Die nutzte ich dann für eine Dusche und Anziehen, so dass ich dann ohne Frühstück um 7:40 mit meinem Gastvater und meinem Gastbruder zur Schule aufbrach…
Vor dem Arbeitsbeginn fand ich dann noch Zeit, die eilig am Morgen in zwei große Plastiktüten verpackten Kekse in Krepp einzupacken, das mir dankenswerter Weise von der Schule zur Verfügung gestellt wurde. Die mit buntem Bast zusammengebundenen Päckchen verteilte ich dann so gleich im Kollegium und an die Sekretärinnen, und es war wohl der dankbarste und küsschenreichste Morgen in meinem Leben.
Danach versuchte ich dann noch das Schwert für meinen Gastvater fertig zu stellen, was sich doch als „Mission impossible“ herausstellen sollte. Dazu war meine Detailtreue – Perfektionismus – einfach zu hoch gewesen.
Schließlich wollten wir schon an diesem Abend nach Cauquennes in unser Weihnachtsquartier aufbrechen und außerdem hatte ich noch eine Aussprache zwischen meiner Gastmutter und der Deutschlehrerin angeleiert.
Als dann gegen Fünf meine Gastmutter das Gelände – den Ring
– betrat, hatte ich gerade einmal die Parierstange und den Knauf fertig.
Im Gespräch konnten dann relativ leicht – auch dafür liebe ich Südamerika – die Diskrepanzen ausgeräumt werden, so dass fast alles wieder „tutti“ war. Ich packte meinen Kram zusammen und es ging nach Hause.
Abends ging es dann für das Wochenende und Weihnachten nach Cauquennes zu den Eltern meines Gastvaters…
- …to be continued…
</ul