Ich muss mich entschuldigen, dass es solange gedauert hat, aber nun habe ich nach einiger Zeit wieder den Weg in ein Internetcafe gefunden und werde euch nun berichten, was ich in den letzten Tagen erlebt habe.
La Paz habe ich mir, nachdem ich das letzte Mal geschrieben hatte, im Schnelldurchlauf angesehen. Insgesamt habe ich knapp fünf Tage dort. Und mit der Zeit hat mir die Stadt eigentlich ganz gut gefallen, doch leben könnte ich dort, glaube ich, nicht. Meine Unterkunft hatte mir wie erwähnt ein Freund meiner Familie besorgt. Abgesehen davon, dass man sich mit 100 ml Heisswasser zufrieden geben musste, war es doch im heutigen Vergleich gesehen wahrer Luxus. Natürlich habe ich mich auch sehr bemüht mich ein bisschen einzubringen.
So verbrachte ich sehr schöne Tage in La Paz und wurde sogar häufig eingeladen. Dabei lernte ich ein bisschen die Avantgarde bzw. ein nicht so ganz reales La Paz kennen.
Ich schaute mir aber auch einige Museen, Ruinen und Naturreservate an. Es wäre schön, wenn in Deutschland der Eintritt in Museen nur einen Euro kosten würde, dann wäre ich wohl öfter dort zu sehen. Aber auch nicht alles war ganz billig, so kosteten die Ruinen von Tiwanaku in der Nähe von La Paz knapp acht Euro Eintritt und man bekam nicht ganz soviel zu sehen, weil vieles noch unter der Erde liegt. Doch zum Glück war es nicht ganz so langweilig, da ich auf dem Weg eine lustige Truppe Argentinier kennen lernte und wir uns zusammen einen Guide teilten.
Neben den Ruinen besuchte ich noch die Sehenswürdigkeiten mit einer Stadtrundfahrt und im Anschluss das Valle de la Luna im Süden von La Paz. Dieses Gebiet ist durch Erosion so ausgewaschen worden, dass es nun einer Mondlandschaft gleicht, die sehr schön anzusehen ist und die natürliche Vielfalt gut zum Ausdruck bringt.
Aber natürlich hat La Paz nicht nur schöne Seiten. Viel vom alten Glanz ist heruntergekommen und es scheint, dass nur repräsentative Gebäude in Stand gehalten werden. Zudem ist die Stadt ein einziges Verkehrschaos, das einiges bisher gesehenes in den Schatten stellt. Jeder fährt tatsächlich wann er will und Ampeln gibt es nur auf den Hauptstrassen.
Ein weiteres Rätsel stellt die abenteurliche Bebauung dar. La Paz ist in einem Talkessel gelegen, der vom tiefsten Punkt bis an den steilsten Berghang bebaut ist. Hübsch anzusehen ist das nicht unbedingt, aber beeindruckend irgendwie schon, immerhin gibt es Strassen, die von normalen Autos wegen ihrer Steigung nicht bzw. nur im ersten Gang befahren werden können. Natürlich ist auch die Armut allgegenwärtig, die schon sehr stark ausgeprägt ist.
Man kann nur hoffen, dass es sich mit dem zumindest bei der Mehrheit beliebten Präsidenten Evo Morales etwas ändert, auch wenn sich die Elite im Süden jetzt schon auflehnt. Mit einem kleinen Einkauf in den Läden des indigenen Kunsthandwerks endete dann mein Aufenthalt in La Paz und ich fuhr weiter nach Copacabana.
Das liegt auf der bolivianischen Seite des Titicacasee. Nach einer mehr oder wenig anstrengenden Fahrt, kam ich am Dienstag Nachmittag in Copacabana an. Auch wenn ich es eher „Cocacabana“ genannt habe, auch wenn es keinerlei Cocaanbau auf dieser Höhe gibt. Doch hat es auch rein gar nichts gemein mit seinem brasilianischen Pedan.
Nein, so gar nicht. Copacabana ist ein kleiner schäbiger Touristenort, der davon lebt, dass in seiner Nähe die Sonneninsel bzw. „isla del sol“ liegt. Dagegen ist die Landschaft um Copacabana nicht ganz so hässlich und man hat neben der Sonneninsel, mit den beiden Aussichtsbergen einen wunderschönen Blick über den Titicacasee.
Ich quartierte mich für zwei Nächte in einem, dem Preis entsprechenden Hostel ein. Für zwei Euro pro Nacht hätte ich wohl auch nichts anderes erwarten können, Obgleich das Bad schon lebensbedrohliche Tendenzen hatte. Denn da es üblicher Weise in Bolivien sog. Elektroduschen gibt, die mit Strom das Wasser wärmen, hatte ich schon ein bisschen Angst zu duschen. Offene Sicherung und die Lampe an offenen Kabeln von der Decke direkt neben dem Elektroduschkopf hängend. Letztlich traute ich mich doch einmal am letzten Abend es auszuprobieren und wie ihr seht, ich lebe noch.
An meinem zweiten Tag fuhr ich morgens zur isla del sol. Zunächst hatte ich wie wahrscheinlich viele den Gedanken – Was für eine Scheisse! Es regnete nämlich in Strömen und es schien ein ganz schlechter Tag für eine Überfahrt zu werden. Doch das Glück war mit uns und als wir gegen elf nach knapp zwei Stunden ankamen, klarte es auf. Es wurde ein sehr schöner und angenehmer Tag. Ich schloss mich einfach einer Gruppe an und watschelte dem Guide hinterher. Wie schon meine Führung in Tiwanaku war auch diese Tour sehr nett und anschaulich. Sie führte vom nördlichen Hafen zur Nordspitze der Insel, wo sich eine preinka Ruine und ein Altar befanden. Doch war das alles nicht ganz so beeindruckend und die vermeintlichen Steinbilder, die angeblich dem See seinen Namen gegeben haben, konnte man nur mit ganz viel Vorstellungskraft entdecken. Der Name titicaca setzt sich nämlich aus den Aymara-Worten titi, was so viel Puma oder grosse Katze bedeutet und kaka, was grau heisst, zusammen. Auf der Sonneninsel befindet sich ein Felsen, der die Form eines Pumakopfes hat und so dem See seinen Namen gegeben haben soll. Allerdings gibt es auch noch viele andere Legenden.
Nach der mehr oder weniger aufklärenden Führung machte ich mich auf den 7km langen Rückweg auf dem ich sehr nette Mitbürger kennen lernte. Mit ihnen lief ich den Weg zurück und hatte so eine sehr schöne Zeit. Man kam ins Gespräch und tauschte sich über das bisher Erlebte aus. So wurde der Abend auch sehr angenehm und man feierte Geburtstag und stieß darauf an.
Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Puno, wo ich die Islas Flotantes bzw. die „isla de los uros“ besuchen wollte. Wieder einmal viel zu früh stand ich auf und machte mich fertig. Ich packte meine Sachen und ging schnell noch das nötigste für die kommenden Tage besorgen. Gegen halb neun ging ich dann zur Busstation und stieg ein. Nachdem ich erst nicht genau wusste, ob ich nun allein fahren würde oder nicht, stiegen nach einiger Zeit immer mehr bekannte Gesichter ein. So fuhren wir dann fast vollständig nach Puno, obgleich zwei Mädchen gleich direkt nach Cusco fuhren.
Für mich ging es mit zwei anderen nach Puno. Nach einer Stunde Fahrt erreichten wir schon die peruanische Grenze und das übliche Prozedere begann. Gegen halb zwölf erreichten wir endliche Puno, ein kleines und nicht ganz so schönes Städtchen am peruanischen Ufer des Titicacasees. Zunächst kauften wir schnell ein paar Tickets für die Weiterfahrt am Abend nach Cusco und sicherten unsere Rucksäcke. Danach schauten wir uns ein bisschen die Stadt an und liefen hinauf zum Aussichtspunkt, von wo man einen sehr schönen Blick hatte.
Wir vertrieben uns die Zeit im Internetcafé und mit Eisessen an der Kathedrale bis wir endliche zu den schwimmenden Inseln im See starteten.
Das Wetter, das sich einmal mehr vom regnerischen Morgen, in einen sonnigen Nachmittag verwandelt hatte, beschehrte uns einen angenehmen und ruhigen Tag. Wir fuhren ein halbe Stunde zu einer der Insel im Schilfgürtel hinüber und es war schon sehr beeindruckend zu sehen, als aus diesem die Inseln mit den Häusern auftauchten.
Leider war außer der Erfahrung auch nichts weiter Pärgendes an diesem Nachmittag zu finden. Denn die Prognose aus dem Reiseführer meiner Freunde sollte sich bestätigen.
Die Bewohner der islas de los uros sind nämlich heute neben der Subsistenzwirtschaft auf den Tourismus spezialisiert, mit dem sie sich sprichwörtlich über Wasser halten. Alle Einnahmen fließen in eine Gemeinschaftskasse und werden für den Erhalt der Inseln eingesetzt, was ja nicht schlecht klingt, doch leider verkommt so das Erlebnis mit der Begegnung zwischen jahrhunderte alter Kultur und Neuzeit zur kommerziellen Verkaufveranstaltung.
Man schoß ein paar Fotos und kam sich tatsächlich ein bisschen wie im Safarizoo vor, doch war es letztlich schon schön einmal zu sehen wie vielleicht eine Preinkakultur, von der heute keinen wirklichen Nachfahren mehr hat, doch gepflegt und gelebt wird.
Nach einer kleinen Bootstour in einem typischen Uroschilfboot ging es im kühlen Abendwind nach Puno zurück. Dort aßen wir noch etwas im Busterminalrestaurant und spielten Karten. Um halb zehn ging es dann auf eine für mich fast entspannte Fahrt in einem bequemen Bus nach Cuzco.
Dort kamen wir leider viel zu früh am Morgen gegen halb vier an und anscheinend bestand doch nicht wie vorher versichert die Möglichkeit bis sechs im Bus zu schlafen. Also machten meine beiden neuen Freunde und ich und auf den Weg. Mit einem Taxi, das wir dank des Tipps im Führer auf einen annehmbaren Preis herunterhandelten, ging es ins Centrum zum Plaza de Armas – den hat hier fast jede Stadt.
Von dort starteten wir mitten im strömenden Morgenregen den Aufstieg zur Herberge. Als wir zunächst übermüdet bei einer anderen Halt gemacht hatten, stiegen wir doch, nachdem wir die schäbigen Zimmer gesehen hatten, weiter zum hoch gelegenen vom Guide empfohlenen Hostel auf. Wir klingelten und Minuten lang tat sich nichts, als dann wir dann schon ein wenig verzweifelt umdrehen wollten, öffnete sich doch die Tür und wir konnten uns ein Zimmer nehmen - es war halb fünf.
Mit ein bisschen Schlaf stieg ich am Morgen um acht aus dem Bett und ging duschen. Gegen zehn machten wir uns dann alle auf den Weg. Zu erwähnen sei noch, dass die Rezeptionsdame uns eigentlich noch eine Nacht brechnen wollte, weil sich meinte ab sieben Uhr Morgens hätte eine neue begonnen. Nachdem wir sie aber von ihrem Plan abbringen konnten, durften wir zum Glück unsere Rucksäcke für eine Zeit unterstellen und machten uns auf dem Weg zum Hostel der beiden anderen Mädels, die schon am Vortag angekommen waren – studivz sei Dank. ![]()
Leider trafen wir sie nicht an und hinterließen erst einmal eine Nachricht, dass wir auch einchecken würden, da diese internationale Jugendherberge viel preiswerter war als unsere vom Morgen. Danach machten wir uns auf den Weg, holten uns Informationen zu Cuzco und Macchu Picchu.
Cuzco ist wirklich sehenswert und viel schöner als Copacabana. Es hat viele alte Kirchen und die Straßen erinnerten an Skiorte in Österreich. Tatsächlich passt meistens in den höher gelegenen auch immer nur ein Auto durch. Neben den Kirchen gibt es auch zahlreiche Museen und andere koloniale Bauten, die mit ihrer Architektur das Stadtbild prägen.
Am Ende des Tages trafen wir dann letztlich doch noch die beiden Mädels an und wir checkten ein.
Die Tage sind seither wie im Flug vergangen. Vormittags sahen wir uns meistens die Stadt an, mit der im Vergleich zu bolivianischen Verhältnissen, teuren Touristenkarte (70 soles Verhältnis soles, Euro 4:1), in der die Kirchen noch nicht einmal enthalten waren – weitere 18 soles.
Dafür ist das Partymachen umso billiger – freier Eintritt und immer ein free drink. ![]()
Auch das Hostel (13 soles) und das Essen (preiswert 15 soles) sind sehr gut, auch wenn ich in La Paz für 1,50 € sehr gut und viel gegessen habe. Dafür gibt es hier eine atemberaubende Aussicht über den Plaza de Armas vom Hostelbalkon und ein ausgezeichnetes Alpakasteak für nur 3€.
So hatte ich auf jeden Fall viel Spaß in den letzten Tagen und bin ich schon in Aguas Calientes, von wo aus es morgen Früh zum Macchu Picchu geht, aber davon und von unserer spektakulären Fahrt werde ich, wenn ich wieder in Cuzco bin ausführlicher berichten. Ich hoffe ihr lest diesen Beitrag häufig und mit Genuß, ich vermisse die Ruhe ein bisschen, aber genieße auch meine Freiheit, allen Danke und bis dann, euer Sebá.
La Paz – Copacabana – Puno – Cuzco
Januar 21, 2008 von unpocitosvs
Marathon Beitrag. Schön schön dass es dir gut geht. Und es ist ja nett, dass du immer wieder schreibst wie schön die Aussicht ist, aber ein paar Fotos würden mir schon irgendwie weiterhelfen
Ja wäre schön, aber bis jetzt habe ich noch keine Internetverbindung gefunden, die eine derartige Geschwindigkeit aufweist, dass sie nicht Stunden braucht, um einen Bildupload durchzuführen… Meistens habe ich einfach nicht die Zeit, aber ich werde mich bemühen…