So endlich habe ich Zeit gefunden, um euch über die letzten – mittlerweile – Wochen aufzuklären.
Mit meiner Zeit in Cuzco hatte ich sehr viel Glück, denn durch die netten Bekanntschaften, die ich in Copacabana gemacht hatte, war es nie langweilig.
Nun zum Macchu Picchu Trip. Nachdem ich ja alle von der ökonomischen Variante, nach Aguas Calientes zu gelangen, überzeugt hatte, fuhren wir mit einem Regionalbus nach Santa Maria. Diese Fahrt durch das Bergland von Cuzco war schon abendteuerlich, da es die ganze Nacht hindurch wie aus Kübeln schüttete und dementsprechend in den Kurven Sturzbäche auf die Strasse niedergingen. Doch kamen wir pünktlich in Santa Maria an – einem Durchgangsort auf dem Weg nach Aguas Calientes. Als wir ankamen, war es kurz vor drei in der Früh und alle waren etwas umnächtig von der anstrengenden Fahrt. In Santa Maria standen dann auch gleich die Minibusse nach Santa Theresa bereit. Typisch peruanisch waren auch gleich die Fahrer bereit zur Aufnahme der Passagiere. Zunächst nichts ahnend gingen wir auf das erste Angebot ein, obgleich es um einen Euro teurer war als in der Anleitung des Weges beschrieben. Doch das war noch nicht einmal das Schlimmste. Denn neben uns gab es eine Gruppe hartnäckiger Argentinier, die partour nicht für den Preis fahren wollten. Die Posse endete schliesslich damit, dass wir schon um kurz nach drei in den Bus einsteigen sollten, um unsere Sitze einzunehmen, obgleich der Bus erst gegen vier losfahren sollte. Also warteten wir und es wurde vier und später und wir setzten uns nicht in Bewegung.
Zunächst nahm ich die Aussage der Beifahrerin nicht für voll, dass wir wegen Steinschlags nicht los könnten und mutmasste, dass es reine Taktik sei, um die Argentinier zum Einsteigen zu bewegen. Als wir dann gegen halb vier losfuhren, fühlte ich mich bestätigt, doch unsere Reise dauerte nur ein paar Meter und wir hielten in einer Einfahrt zu einem Feldweg. Es wurde fünf und langsam stickig im Bus.
Vollkommen einer Meinung war ich daher mit einem Spanier, der zurecht unsere Situation anprangerte und in Frage stellte, warum wir so früh hätten einsteigen müssen. Als es schon langsam hell draussen wurde setzten wir uns in Bewegung. Wir fuhren einen durchweichten Bergpass am Fluss entlang, bis wir schliesslich anhielten. Wir hielten und nichts weiter – keine Ansage, kein gar nichts. Als wir dann doch wiederholt die Aussage zu hören bekamen, dass wir warten müssten, stiegen der Spanier und sein Freund zum Fenster aus und machten sich zu Fuss auf den Weg.
Unsere sechser-Gruppe blieb brav im Bus sitzen. Es verging eine halbe Stunde ehe sich der Bus wieder in Bewegung setzte und wir bis zu einerr Stelle fuhren, an der es tatsächlich einen Erdrutsch gegeben hatte. Auch wenn ich natürlich meine zu Unrecht erhobene Behauptung des Geschäftemachens zurückziehen musste, folgte nun der richtig spannende und riskante Teil unseres Weges.
Die Räumungskräfte hatten mittlerweile die Strasse soweit freigeschaufelt, dass ein schmaler Minibus gerade so passieren konnte. Zu unserer Sicherheit sollten wir jedoch die Stelle auf gehend – bzw. später auf Zuruf „rennend“ – passieren.
Dieser Hinweis war auch durchaus nötig denn immer wieder stürzten „kleine“ Brocken herab. Flink machte ich mich also auf den Weg und rannte den Steinen ausweichend, von denen mich – nach Aussage eines aus unserer Gruppe – einer beinahe erwischt hätte, zur anderen Seite.
Der Bus raste danach über den unwegsamen Pass, als wäre es nichts. Wir stiegen wieder zu und setzten mit über zwei Stunden Verspätung unsere Reise fort.
Obwohl es nun nicht mehr regnete, ereignete sich doch nun die wohl spektakulärste Situation unseres Hinweges. Als wäre es nicht schon gewöhungsbedürftig genug auf schmalen undgeteerten Pässen – stets den Abgrund im Auge – die Berge hochzurasen, schlug in einem Moment plötzlich ein Stein die kleine B-Säulen und die Beifahrerscheibe zu Bruch. Und wie von einem Engel beschützt, passierte einem Mann, der direkt neben der Scheibe sein Ohr hatte nichts.
Ich sass relativ weit hinten. so dass ich zwar die Silouette des Steins wahrgenommen hatte, aber letztlich auch nur vom Einschlag aufgeschreckt wurde. Allerdings verfiel ich danach nicht gleich in Panik, sondern war eher von dem „Glück“ beeindruckt, dass dieser Mann gehabt hatte. Scheinabr total normal für die Fahrer setzten wir nach lurzer Reinigungspause unsere Fahrt fort – natürlich mit Warnhupe vor jeder Kurve, denn 60 – 70km/h sind ja normal … ![]()
Etwas durch den Wind und müde kamen wir in Santa Theresa an. Dort regnete es zur Abwechslung mal wieder. Wir frühstückten noch in aller Ruhe etwas und machten uns dann mit einem Taxi auf in Richtung des Wasserkraftwerks, von wo es laut Anleitung entlang der Schienen nach Aguas Calientes gehen sollte.
Eigentlich stimmte bis auf die Preise alles haargenau mit der Vorlage aus dem Internet überein, auch wenn wir natürlich uns in der Regenzeit befanden, was den Weg dem entsprechend schwerer machte.
Doch dank der Vorlage fanden wir den Weg und ich mich nach gut zwei Stunden, die anderen nach einer mehr sich in Aguas Calientes wieder. Wir checkten in ein Hostal direkt am Plaza de Armas ein, deren Zimmer wir dank Abrisslärm billiger bekamen.
Der Aufstiegstag nach Macchu Picchu war leider veregnet, so dass ich nicht, wie geplant, hochlief, sondern abwartete und schliesslich mit den anderen gegen halb zehn mich mit dem überteuerten Touribus nahc oben begab.
Entweder war es das Frühstück, das Wasser oder einfach nur die leichte Überanstrengung, doch der Tag entwickelte sich nicht gerade zum Besseren. So hatten wir leider die Richtlinie befolgt und kein eigenes Wasser mitgebracht, was sich als verheerend herausstellen sollte, denn zum einen war diese Richtlinie nicht mehr als eine Methode, um den Touris das Geld aus der Tasche zu ziehen – 250 ml 4 € auf dem Macchu Picchu – zum anderen trocknete ich dermassen aus während des Aufstiegs auf den Wayna Picchu, dass es keine Freude war.
Konnte ich es zu Anfang noch ganz gut aushalten, wurde es mit der Zeit und dem weiter trüben Wetter immer schlechter. Zum Glück oder vielleicht auch zu meinem Pech trafen wir auf dem Wayna Picchu den Spanier und seinen Kollegen, der sich auch als Deutscher herausstellte.
Sie hatten nämlich wie viele ihr eigenes Wasser mitgebracht, was sie gern mit uns teilten. Wahrscheinlich war diese Wasserkur nach der Zeit der Dürre dann nicht so gut für meinen Körper zumindest fühlte ich mich zurück auf dem Macchu Picchu nicht unbedingt besser. So entschied ich mich gegen eine Führung – der dritte Fehler an diesem Tag – und machte nur noch einen kleinen Rundgang mit dem Spanier und seinem Kollegen, die tatsächlich am Morgen hinaufgelaufen waren und mir sagten, dass es oben nicht geregnet hätte … ![]()
Ich kehrte also mit ihnen zurück nach Aguas Calientes und prompt als wir unten ankamen ging über dem Macchu Picchu die Sonne auf. Aber wäre das nicht der Erniedrigung genug plagte mich in den folgenden Tagen ein noch nie dagewesener Durchfall, so dass ich mir am nächsten Tag erst einmal ein Medikament kaufte, was sich allerdings nur als Stopper und nicht als wirkliches Heilmittel herausstellen sollte.
So schaffte ich es zwar den Weg von Aguas Calientes nach Kilometer 82 ohne Beschwerden zurückzulegen, doch geheilt war dadurch nichts. Die folgenden Tage in Cuzco nahm ich das Mittel weiter und dachte schon es wäre alles gut, doch alles war wie immer mehr Schein als Sein. Zwar waren die letzten beiden Tage in Cuzco noch ruhig und ich fuhr sogar in Valle Sagrado, das heilige Tal der Inka ohne Beschwerden – allerdings ernährte ich mich auch nur von Salzcrackern und Elektrolytgetränken.
In aller Seelenruhe begab ich mich auf die 22 Stunden Fahrt nach Lima, doch dann war alles wie zuvor, so dass erst ein Antibiotikum Abhilfe schuf. Trotzdem war Lima sehr lustig, und auch wenn ich bei total Fremden war, bekam ich alle Hilfe und hatte nebenbei noch viel Spass.
In Lima war ich wieder bei Freunden bzw. Verwandten eines Freundes meiner Familie. Die Tochter des Hauses – immerhin schon 32 und voll in Hochzeitsvorbereitungen – nahm sich meiner an, was ich sehr nett fand.
Der erste Abend war sehr lustig und ich fühlte mich ein bisschen wie in – wenn ich das mal so direkt sagen darf – „Sex in the City“. Frauen Anfang, Mitte 30 die über Männer, heiraten, etc. reden. Aber es wurde noch lustiger als wir dann zu einer anderen Freundin und ihrem amerikanischen Mann in ein Luxushotel fuhren. Anscheinend hatten die beiden gerade vor kurzer Zeit geheiratet und waren nun das erste Mal wieder in Lima.
Bei reichlich Alkohol, kam gute Stimmung auf und wir spielten eine Art Spiel mit Geschenken, und da ich nun auch da war, spielte ich auch mit und bekam auch eines. Und das war nicht zu klein bzw. billig. Nichts anderes als eine Kulturtasche von Tommy Hilfiger hielt ich am Ende des Abends in den Händen… ![]()
Am nächsten Tag ging es zum Strand – alles noch im „kranken“ Zustand. Doch es war nach all der Kälte echt mal wieder schön am Strand mit Sonne und Meer zu sein. Zwar war die Brandung unglaublich stark, aber das Wasser war sehr erfrischend. Am Abend ging es dann zum Geburtstag des „Amis“ – sehr netter Kerl, aber typisch Ami – zum Italiener. Die Nacht endete dann in einem – Ami-Schuppen. T.G.I. Friday’s.
Ich trank mit meinem Magen natürlich nichts. Am nächsten Tag – auf eine Antwortmail meines Gastvaters zur Antibiotikafrage wartend – ging ich ins Zentrum und sah mir die Stadt ein bisschen an. Dazu nahm ich auch mal wieder einen Touristenbus und fuhr zu einem Aussichtspunkt, von wo man aus fast die ganze Stadt sehen kann. Lima hat ja wirklich nette Seiten, aber es gibt auch viel hässliches. Vor allem wirkt die Stadt wie ein riesiger Moloch, der nur durch Strassen zusammen gehalten wird. Und die Luftverschmutzung ist einfach unglaublich am Tag. Bei Nacht lässt es sich mit einem kühlen Seewind ganz gut aushalten, doch könnte ich es nicht lange hier aushalten.
So fuhr ich auch am nächsten Tag nach Huaráz. Vor Fahrtantritt kaufte ich mir noch die mir von meinem Gastvater angeratenen Antibiotika und ein bisschen Wasser, das mir vielleicht das Leben rettete, es mir zumindest viel leichter machte.
Denn einmal mehr sollte sich die Wüste als verhängnisvoll herausstellen, doch dazu bald mehr. Ich wünsch euch alles Gute und bis bald, dann mehr zu Huaráz. Schaut mal bei Flickr nach Basti on Tour. Ich verlinke das Album auch noch einmal…
haha, was ist eine südamerikatour ohne Durchfall…