Schon vor einiger Zeit habe ich ein Stöckchen vom fazzolo zu gereicht bekommen. Damals hab ich mir schon überlegt, ob ich es gleich poste. Nun ist schon ein Teil meines Lebens vorübergezogen und als kleiner Exkurs zu den sonst üblich langen Beiträgen jetzt einmal ein kurzer…
Folgendes sollte beachtet werden:
Die Witwe warf das nutzlose Mikrofon auf die Bretter und eilte vor dem Hintergrund vereinzelten, noch zögernden Beifalls davon, der von den Dünen und den Felsen herkam und dem sich die begeisterten Musiker sowie die etwas taktvolleren Touristen und sich die Fischer anschlossen, bis er sich zum Brausen eines Wasserfalls gesteigert hatte und von einem „Viva Chile, Scheiße!“ des unsäglichen Genossen Rodríguez untermalt wurde.
Die Witwe Rosa González also eilte zur Küche, wo ihr im Halbdunkel die ekstatisch geweiteten Augen ihrer Tochter und ihres Schwiegersohnes entgegenflackerten. Mit dem Daumen über die Schulter nach draußen deutend, spie sie vor den beiden die Worte aus: „Der Beifall ist für die Turteltäubchen.“
- (Antonio Skármeta: Mit brennender Geduld)
Doch je nachdem wie man die wörtliche Rede der Seite 123 auslegt, gibt es vielleicht gar keinen fünften Satz. Daher möchte ich noch, um euch noch den zweiten Satz auf der Seite 123 niederschreiben, da dieser quasi die halbe Seite einnimmt.
Zwölf Sekunden nach dieser Prophezeiung, als die Lauser aller nüchternen, weniger nüchternen und schon bewußtlosen Gäste, wie von einem riesigen Magneten angezogen, auf die Küche gerichtet waren, und Alvarcón und Guzmán so taten, als müßten sie ihre verschwitzten Handflächen an ihren Hemden trockenreiben, bevor sie in zitternde Begleitmusik einfielen, durchbrach Beatriz´Orgasmus die sternenklare Nacht mit einem solchen Akkord, daß sogar die Paare in den Dünen davon inspiriert wurden („Einmal so einen“, flehte die Touristen den Telegrafisten an), die Witwe indes brandrote Ohren bekam und dem Herrn Pfarrer, der schlaflos in seinem Kirchturm lag, die Worte entfuhren: „Magnificat, staba, lingua, dies irae, benedictus angelus, kyrie eleison.“
…so schön kann „Lesen“ sein…
Leider kenne ich keine weiteren Blogger, den dieses Stöckle nicht schon gereicht wurde, daher an alle die vielleicht dieses Beitrag lesen und selbst ambitionierte Blog-Stöckchen-Verarbeiter sind, nehmt es einfach…